Fahrplan
Rekord zur 61. Säubrennerkirmes eingestellt
Deutlich über 100.000 Besucher von Freitag bis Dienstag zu Gast
Eine äußerst zufriedene Kirmes-Bilanz zieht Organisationsleiter Leo Kappes für die 61. Wittlicher Säubrennerkirmes. 40 Mal hat er sie zusammen mit einem „hoch motivierten Organisationsteam“ schon realisiert. Die Besucherzahl lag „stark über 100.000“. Gerade am Samstag ist die Säubrennerkirmes Ziel vieler Amerikaner, die den Volksfestcharakter besonders genießen.
Der Rekord von 2007 mit 123 verzehrten Säuen wurde 2010 eingestellt. Das in diesem Jahr eingeführte Flaschenpfand ist für Kappes „eine Erfolgsgeschichte“. Es habe nur positive Rückmeldungen von den Besuchern, Händlern und Schaustellern gegeben. Das Ziel ist erreicht worden: deutlich weniger Müll und Verletzungen durch Scherben. Auch die Schausteller und Händler sind mit der Kirmes zufrieden. Wittlich steht bei ihnen hoch in der Gunst. Kappes: Wir könnten die vorhandenen Flächen vier- und fünffach vergeben.
Gut angenommen wurde auch die Händlerstraße, die nach Fertigstellung der Schloßgalerie entlang der Fensterfront aufgestellt wurde. Überlegungen will man laut Kappes anstellen, wie man den Bereich des ZOB besser einbinden kann als Nahtstelle zwischen Stadt, der Händlerstraße und dem Rummelplatz.

Die aufgezogene Kirmesfahne kündet weithin: Wittlich feiert die Säubrennerkirmes (Foto: Hanns-Wilhelm Grobe).
Kirmes-Auftakt war am Freitagabend. Bürgermeister Joachim Rodenkirch eröffnete den Rummelplatz vor dem Riesenrad in der untergehenden Abendsonne und gab die Fahrgeschäfte frei für eine 15-minütige Freifahrt. Aus luftiger Höhe verschafften sich nicht nur der Kulturausschuss und die beiden Beigeordneten einen Überblick, wie die rund 90 Schausteller und Händler Wittlich wieder zu einem Besuchermagneten gemacht hatten. Den Blick auf Oberstadt, Markuskirche oder die Wittlicher Weinberge aus 45 Meter Höhe genossen auch Gäste aus den beiden Wittlicher Partnerstädten, Bürgermeisterin Lora Lawman aus dem englischen Wellingborough und der Bürgermeister aus dem niederländischen Boxtel, Frank van Beers.
Sie begleiteten in den nächsten Tagen viele weitere Programmpunkte. Zum Beispiel das Festspiel zur Sage um die Wittlicher Säubrennerkirmes im Stadtpark mit anschließender offizieller Kirmeseröffnung durch den Bürgermeister, die Ausgabe des Belagerungstrunkes auf dem Marktplatz, den Festumzug am Samstag (siehe dazu eigene Bilderseite) oder auch die Weinprobe für geladene Gäste in der Synagoge am Montagabend (Bilder-Nachlese im Innenteil).
Detlef Boor ließ am Freitagabend und beim Verlesen des Kirmesprotokolls am Samstag auf dem Marktplatz das Stadtgeschehen Revue passieren. Begrüßen konnte er dazu nicht nur 35 Weinköniginnen und Weinprinzessinnen zwischen Oberfell und Briedel, sondern unter den 50-Jährigen auch als am weitesten angereist einen Wittlicher Wahl-Argentinier.
Unter den rund 160 geladenen Gästen bei der schon traditionellen festlichen Weinprobe am Montagnachmittag in der Synagoge waren der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck und Julia Klöckner, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Stimmen sich bei einem Glas Sekt auf die Festliche Weinprobe in der Synagoge ein: von links: Ministerpräsident Kurt Beck, Theresia Rodenkirch, Staatssekretärin Julia Klöckner und Wittlichs Bürgermeister Joachim Rodenkirch (Foto: Hanns-Wilhelm Grobe).
Bürgermeister Joachim Rodenkirch freute sich, zu der festlichen Weinprobe neben Beck und Klöckner auch eine Fülle weiterer hochkarätiger Gäste aus den Bereichen Wirtschaft, Politik, Kultur, Ehrenamt und Wissenschaft begrüßen zu können. Darunter auch die Gebietsweinkönigin Mosel aus Maring, Katharina Okfen oder den neuen Kommandeur der US Base Spangdahlem Christopher P. Weggeman. Gemeinsam mit dem Begleiter der Weinprobe, Dr. Willi Oberholz und dem Kulturausschuss hatte der Bürgermeister im Vorfeld 40 Weine verkostet, um für die festliche Weinprobe die dann kredenzten 16 Tropfen der vier Wittlicher Weingüter auszuwählen.
Oberholz, dessen Mutter aus einem Weingut in Kesten stammt, kommentierte die Tropfen mit viel Humor und Augenzwinkern. Man könne Früchte wie Apfel, Birne, Pfirsich herausschmecken, auch Stachel- und Johannisbeere, vielleicht auch Petersilie, Schnittlauch, Zwiebel, Knoblauch und „Krombieren“. Dabei wollte er nicht so weit gehen wie der Mosel-Riesling-Experte Stuart Pigott, der wohl ähnlich augenzwinkernd auch schon „Sattelleder“ aus dem Wein herausgeschmeckt haben wollte.

Gut angenommen wurde die Händlerstraße, die auf die Fensterfront der Schloßgalerie "umgezogen" war(Foto: Hanns-Wilhelm Grobe).
Mit einem Bibelzitat belegte Oberholz in den geselligen Wein-Stunden, dass der Wittlicher Wein schon in uralten Zeiten in hohem Ruf stand: So sei bei Johannes 13, Vers 6 nachzulesen:
„Eines Tages war Jesus zu Besuch bei der Winzergenossenschaft in der Pfalz. Da sprach ihn der Kellermeister mit den Worten an: „Herr und Meister, mir ist zu Ohren gekommen, du hättest in Palästina aus Wasser guten Wein gemacht. Uns gelingt das hier in der Pfalz noch nicht mal aus Trauben…“ Bei diesen Worten hob der Ministerpräsident drohend den Finger.
Oberholz weiter: „Jesus antwortete dem Kellermeister: Wahrlich, wahrlich ich sage dir: Versuche nie, die Wundertätigkeit deines Herrn nachzumachen. Wenn du lernen willst, guten Wein zu machen, dann wende deine Schritte gen Norden ins Liesertal“.
Viel Beifall gab es für Oberholz auch, als er Bürgermeister Rodenkirch eine Schiefertafel überreichte, angeblich ausgegraben an der Wittlicher Römervilla. Die Übersetzung der römischen Inschrift lautet:
Dem einfachen Volke gebet den Wein der Mosel.
Den Wittlicher Wein aber reichet den Göttern
Bürgermeister Joachim Rodenkirch dankte Oberholz für die gelungene Moderation mit einem neu geschaffenen Wittlicher Kirmes-Lebkuchen-Orden „Wittlichs Bester“.
In den Verkostungspausen gaben Kurt Beck und Jutta Klöckner dem Offenen Kanal Wittlich ausführliche Interviews zur aktuellen Politik. Beck, erst kürzlich als „Urlauber“ in Wittlich zu Gast, lobte Wittlich dabei zum Beispiel als „gut sortierte Einkaufsstadt“. Die aktuelle Kritik der Grünen-Politikerin Renate Künast am Hochmosel-Übergang wunderte ihn. Frau Künast habe in Regierungsverantwortung gestanden, als der dafür erforderliche Bundesverkehrswegeplan genehmigt wurde.








