Kultur- und Tagungsstätte Synagoge

Kultur- und Tagungstätte Synagoge

Das Gebäude der ehemaligen Synagoge (eingeweiht 1910) wurde ab 1976 restauriert und in eine Kultur- und Tagungsstätte umgebaut. Am 25. November 1985, dem 75. Jahrestag der Einweihung der Synagoge, eröffnete die Stadt Wittlich unter dem Titel "Bilder der deutsch-jüdischen Geschichte" eine Ausstellung, die der Beginn zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Schicksal der jüdischen Mitmenschen werden sollte.

In Vorbereitung zum 50. Jahrestag des Pogroms vom November 1938 gründete sich ein Arbeitskreis von Wittlicher Bürgerinnen und Bürgern, der im Hinblick auf eine Einladung der Stadt an Überlebende der früheren Gemeinde und deren Nachkommen (im Mai 1991) eine weitere Ausstellung vorbereitete, die dann zur Grundlage einer Dauerausstellung „Jüdisches Leben in Wittlich“ wurde. Diese Ausstellung ist in einem Nachbarhaus der ehemaligen Synagoge zu sehen und wird zurzeit neugestaltet. Auf drei Etagen können sich die Besuchenden über die Geschichte der Juden in Wittlich informieren, die bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die über 250 Mitglieder der jüdischen Gemeinde insgesamt gut, aber auch abhängig vom eigenen gesellschaftlichen Status in die Bürgerschaft integriert.  Ihre Handelshäuser befanden sich am Marktplatz, viele lebten vom Vieh- oder Textilhandel. Wie ihre Nachbarn zogen die Männer in den ersten Weltkrieg, die Kinder besuchten gemeinsam den Turnverein. Daneben gab es eine Reihe jüdischer Vereine und Organisationen. Im Jahr 1933 nach der Wahl Hitlers zum Reichskanzler gerieten jüdische Händler zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Der reichsweite „Boykott-Tag“ vom 1. April 1933 wurde auch von vielen Wittlicher Juden als erste Zäsur erinnert. Vor allem jüngere Juden zogen in größere Städte wie Köln und Frankfurt/M, um von dort ihre Emigration vorzubereiten. Am 10. November 1938 wurde der Innenraum der Synagoge durch SA- und NSDAP-Mitglieder aus Wittlich schwer beschädigt. Auch die jüdische Schule in der Kirchstraße und etliche Wohn- und Geschäftshäuser waren von den Verwüstungen betroffen. Von den jüdischen Wittlichern starb jeder Dritte in einem Konzentrationslager. Die Namen der Ermordeten sind auf einem Gedenkstein im Vorraum der ehemaligen Synagoge eingraviert.

Während des Krieges diente die Synagoge als Lager für französische Kriegsgefangene. Aus diesen Jahren stammt auch der Stacheldraht im Rundfenster an der Südseite der Synagoge, der heute zur Mahnung in das Fensterglas eingeschmolzen worden ist.

Führungen durch die Ausstellung und über den jüdischen Friedhof sowie regelmäßige Wechselausstellungen, Konzerte und Vorträge informieren Sie.

Himmeroder Str. 44