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Jüdischer Friedhof
Jüdischer Friedhof

© Stadtwerke
Jüdische Friedhöfe sind ein Spiegelbild der Geschichte der jeweiligen Gemeinde. Aus ihrer Lage und dem Ensemble ihrer Grabsteine lässt sich weit mehr ablesen, als nur die auf den Inschriften genannten Namen und Daten. Für die ewige Ruhe der Toten Sorge zu tragen, zählt zu den obersten Geboten der jüdischen Kultur. Die Einrichtung eines Friedhofs ist demnach wichtiger und notwendiger als z. B. der Bau einer Synagoge.
Der Friedhof wird im Hebräischen als „guter oder heiliger Ort, oder auch als Haus der Ewigkeit (Beth Olam) bezeichnet. Nach jüdischer Tradition sind die Friedhöfe, so auch in Wittlich, außerhalb des bewohnten Bereichs der Gemeinde angelegt, um die Wohnungen der Toten von denen der Lebenden zu trennen und damit die ewige Totenruhe zu sichern. Im Religionsgesetz, der Halacha, ist unter anderem festgelegt, dass ein jüdisches Grab nicht mehr geöffnet werden darf. Selbst eine Exhumierung ist nicht erlaubt. Eine Ausnahme besteht lediglich bei der Überführung der Gebeine nach Israel.
Der jüdische Friedhof, am Stärenberg gelegen, ist der älteste Friedhof der Stadt. Die ersten Gräber, auf der rechten Seite des Friedhofes, stammen aus den Jahren 1671/1672. Bereits Anfang des 17.Jahrhunderts gab es eine kleine jüdische Gemeinde in Wittlich. Von der Abtei Himmerod hatte sie das Land für diesen Friedhof erworben. In Wittlich wird der Bereich auch „Judenbüsch“ genannt. In einem Landmaßbuch aus dem Jahre 1718 wird ein Feld als „Beym Juden Begräbnuß“ ausgewiesen und im Urkataster von 1828 ist ein „Judenfriedhof“ eingezeichnet.
Blickt man vom Eingang über das ansteigende Gelände, fällt auf, dass es auf der linken Seite viele Grabsteine gibt und rechts nur wenige. Früher war die rechte Seite voll belegt. Verschwunden sind die Grabsteine durch die Zerstörungen in der Zeit des Nationalsozialismus. Nachforschungen haben ergeben, dass rechts 70 Erwachsene und 43 Kinder beerdigt waren.
Ab 1838 wurden die Grabstätten auf der linken Seite von unten nach oben angelegt. Es gibt dort 205 Gräber von Erwachsenen, zwei einzelne Kindergräber und circa 100 Gräber von Kindern ohne Grabstein. Der Wittlicher jüdische Friedhof war auch Begräbnisstätte für Juden aus Bergweiler, Speicher, Eisenschmitt, Landscheid und Niederöfflingen.
Das linke Gräberfeld weist eine Vielfalt unterschiedlicher Formen, Symbole, Steinmaterialien und Gestaltungen auf. Während die älteren jüdischen Grabinschriften ausschließlich in Hebräisch verfasst sind, tauchen Mitte des 19. Jahrhunderts auf der Rückseite der Grabsteine auch deutsche Texte auf. Diese gewinnen danach an Bedeutung und spiegeln die Assimilation an die Mehrheitsgesellschaft wider. Nach der Flucht des jüdischen Lehrers David Hartmann 1938, der die hebräischen Inschriften verfasste, wurden nur noch deutsche verwendet. Gestaltet und hergestellt wurden die Grabsteine überwiegend in Wittlicher Steinmetzbetrieben.
Die letzten Begräbnisse auf diesem Friedhof erfolgten im Jahr 1941. Im darauf folgenden Jahr wurden die letzten in Wittlich lebenden Juden deportiert und ermordet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ging der Friedhof in den Besitz der jüdischen Kultusgemeinde Trier über. Die Pflege wurde von der Stadt Wittlich übernommen.
Der Friedhof ist ein besonderes Kulturdenkmal und Zeugnis für eine blühende jüdische Gemeinde, die durch die Nationalsozialisten radikal ausgelöscht wurde. Heute gibt es keine jüdische Gemeinde mehr in Wittlich. Zerstörungen und Schändungen gab es auch nach 1945 immer wieder. Zuletzt wurden 1987 111 Grabtafeln zerstört. Viele davon konnten nicht mehr restauriert werden und fehlen deshalb an manchen Grabstellen.
Quellen:
Maria Wein-Mehs, Reinhard Bohlen: Der jüdische Friedhof in Wittlich,1992 (vergriffen)
Reinhold Bohlen: Ein Gang über den jüdischen Friedhof zu Wittlich, Paulinus Verlag, 2014
Heft 3, Machbarot, Emil-Frank-Institut, Wittlich
Kontakt: Emil -Frank-Institut, Tel: 06571 260124, Kulturamt der Stadt Wittlich, Tel: 06571 14660
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