Eingewöhnung - 1

Eingewöhnung

Eingewöhnung 


„Auch bei einer gut verlaufenden Eingewöhnungszeit braucht Ihr Kind all seine Kraft und sein Können, um sich mit den neuen Verhältnissen vertraut zu machen.“ (Hans-Joachim Laewen)


Der Begriff der „Eingewöhnung“ steht für das Modell, das Hans-Joachim Laewen in den 1980er Jahren für den Übergang aus den Familien in die Kita entwickelte. Das „Berliner Eingewöhnungsmodell“ ist eine Strategie der Eingewöhnung eines Kindes in eine öffentliche Einrichtung, bei welcher auf die frühkindliche Bindung ein besonderes Augenmerk geworfen wird. So ist es erforderlich, dass das Kind während der ersten Anwesenheitstage und Wochen eine vertraute Bezugsperson (Vater, Mutter, Oma …) um sich weiß. Diese Bezugsperson sollte im optimalen Fall die ganze Eingewöhnung begleiten. Ein Wechsel der Bezugsperson sollte vermieden werden, um dem Kind möglichst viel Sicherheit bieten zu können. Von dieser sicheren Basis einer vertrauten Bezugsperson aus knüpft es erste Kontakte. Langsam bauen sich neue Beziehungen auf. Der/die Bezugserzieher/-in wird immer mehr zur Vertrauensperson. Dieses Gefühl der Sicherheit durch eine gute Beziehung zum/zur Bezugserzieher/-in ist die Grundlage für gelingende Bildungsprozesse in der Kita.

Die fünf Phasen der Eingewöhnung

  • 1. Informationsphase

    Die Erziehungsberechtigten werden über die Bedeutung und den Ablauf der Eingewöhnung frühzeitig mündlich und schriftlich informiert. Dies geschieht im Anmeldegespräch durch die Leitung und im Erstgespräch durch den/die Bezugserzieher/-in.

  • 2. Die dreitägige Grundphase

    Eine Bezugsperson kommt die ersten drei Tage mit dem Kind in die Einrichtung, bleibt ca. 1 Stunde mit dem Kind im Gruppenraum und nimmt danach das Kind wieder mit nach Hause. In diesen ersten drei Tagen findet kein Trennungsversuch statt. Die Aufgabe der Bezugsperson ist es, „sicherer Harfen” zu sein. Die Bezugsperson verhält sich passiv, schenkt dem Kind aber Aufmerksamkeit. Der/die Bezugserzieher/in nimmt vorsichtig Kontakt auf. Ein Übergangsobjekt (z. B. Kuscheltier, Schmusetuch o. Ä.) kann hilfreich sein.

  • 3. Erster Trennungsversuch

    Begleitung des Kindes durch eine Bezugsperson, klare Verabschiedung nach einigen Minuten und Verlassen des Gruppenraums für ca. 30 Minuten, bleibt aber in der Einrichtung. Je nach Reaktion des Kindes bei diesem Trennungsversuch wird über die Länge der Eingewöhnung entschieden. Die Fachkräfte beobachten das Verhalten des Kindes und ziehen Schlussfolgerungen für die Länge der Eingewöhnung.

  • 4. Stabilisierungsphase

    Je nach Entscheidung über eine kürzere oder längere Eingewöhnungszeit wird die Trennungszeit ausgedehnt oder eine Stabilisierung der Beziehung zum/zur Bezugserzieher/-in angestrebt.

  • 5. Schlussphase

    Die Bezugsperson hält sich nicht mehr in der Einrichtung auf, ist jedoch JEDERZEIT erreichbar. Das Kind ist nun bereits für mehrere Stunden täglich in der Kita. Es hat den Alltag kennengelernt und ist dabei, sich in die Gruppe einzufügen. Für das Kind kommen nun täglich neue kleine Regeln und Abläufe dazu, die es eventuell noch nicht kennt. Denn selten können Haus- und Gruppenregeln bzw. alle verschiedenen Situationen des Einrichtungsalltags bereits während der Eingewöhnungszeit an das Kind weitergegeben werden.

    Die Eingewöhnung gilt als abgeschlossen, wenn das Kind den/die Bezugserzieher/in als „sichere Basis“ akzeptiert, d. h., dass sich das Kind zum einen von der Fachkraft trösten lässt, aber auch grundsätzlich bereitwillig und gerne die Einrichtung besucht. Dies lässt sich gut daran erkennen, dass es Spaß und Freude im Alltag zeigt, sich aktiv an Gruppenprozessen beteiligt und die typischen Regeln des Hauses kennt.

    Die Bezugsperson sollte zwei bis vier Wochen für die Eingewöhnung einplanen und keinen (Kurz-)Urlaub oder besondere Belastungssituationen (z. B. Umzug, Abgewöhnung des Schnullers, Toilettentraining o. Ä.) in diese Zeit legen.