Die Geschichte der Forstschule Wittlich und das bittere Los von Forstmeister

15.11.2019

Albert Klein (rechts) mit den Nachkommen Wittlicher Forstschüler Ulla Schnitzius und Hubertus Schulze-Neuhoff. Foto: Diana Gerhards

Franz Neuwinger (links) mit dem Forstschuljahrgang um 1930

Franz Neuwinger im Dritten Reich

Die Geschichte der ehemaligen Forstschule Wittlich und das unglaubliche Schicksal von Forst­meister Franz Neuwinger unter dem NS-Regime standen im Blickpunkt eines Vortrages von Albert Klein in der Caritas-Begegnungsstätte. Leiterin Andrea Kien begrüßte eine sehr interessierte Zuhö­rerschaft, darunter zahlreiche aktive und ehemalige Forstleute, die z. T. von weiter her angereist waren.

Wie Klein berichtete, waren die rund 500 Schüler der zwischen 1927 und 1940 bestehenden Forst­schule damals gern gesehene Gäste und gaben häufig Anlass zur Be­wunderung. Sie gehörten in ihren schmucken Uniformen zum Stadtbild. Besonders, wenn sie unter Hörnerklang durch die Stra­ßen marschierten, habe wohl manches Mädchen­herz hö­her geschlagen. So habe das Eifelvereins­blatt im Jahr 1929 über eine Veranstaltung des Eifelvereins berichtet: „Die Forstschule schmetterte ihre Fanfaren meisterlich in den Saal und erschütterte die Herzen und die Gläser auf den Tischen.“ Regelmäßig hätten die jungen Forstleute an Sommerfes­ten, Tanzveranstaltungen oder öffentlichen Auftritten teilgenommen. „Mit ihren schicken, grünen Uniformen mach­ten sie offenbar gewaltigen Eindruck auf die jungen Wittlicher Mädchen, so dass die verschmähten jungen Wittlicher Herren sich zusammentaten und den Förs­tern fürchterlich auf die schicken Uni­formen schlugen“, schrieb der Trierische Volksfreund im Oktober 2004. Kein Wunder, dass durch diese Begegnungen auch Ehen gestiftet wurden. Ulla Schnitzius, geb. Laqua, aus Traben-Trabach, die selbst anwesend war, bezeichnet sich als Produkt der Forstschule, da ihr Vater als Forstschüler hier seine Frau fand. Auch der Vater von Hubertus Schulze-Neuhoff aus Starkenburg, der unter den Zuhörern war, wurde hier zum Förster ausgebildet.

Eine tragische Begebenheit aus der Zeit des Nationalsozialismus schilderte Albert Klein anschlie­ßend. Der überregional bekannte Mitbegründer und Lehrer der Forstschule, Forstmeister Franz Neuwinger, wollte 1935 verhindern, dass Forstschüler für den umgekommenen Wittlicher NSDAP-Gründer Franz Felzen eine Ehrenwache stellen sollten. Dieser sei 1931 im betrunkenen Zustand vor dem Gasthaus Schneck mit dem Kommunisten Heinrich Lohnert in Streit geraten und dabei durch dessen Boxhieb tödlich verletzt worden. Das Gericht sah die Tat als Notwehr an. Trotzdem feierten die Nazis Felzen als „Deutschen Held“ der sein Leben für „unsere große heilige Sache ein­gesetzt“ habe.

Neuwinger wollte die abkommandierten Forstgehilfen darüber aufklären, dass Felzen in Wirklich­keit als Straftäter und Wilddieb stadtbekannt gewesen sei und sich einer Bestrafung nur durch Flucht in die Fremdenlegion entziehen konnte. Eine Ehrenwache für solch einen Menschen mache sich daher in den Augen der Wittlicher ziemlich lächerlich. Daraufhin wurde Neuwinger denunziert, verhaftet und ins Wittlicher Gefängnis eingeliefert. Über den als „Lügenfranz“ bekannten Forst­mann sagten die Wittlicher nach dem Zeugnis von Matthias Joseph Mehs: „Sein ganzes Leben hat er gelogen. Und jetzt, wo er einmal die Wahrheit gesagt hat, fliegt er ins Kitchen.“ Neuwinger kam nach einigen Tagen wieder frei, die Anklage wurde nach langem Prozess niedergeschlagen. Er litt jedoch außerordentlich schwer unter dieser Episode, so dass er als gebrochener Mann 1940 ver­starb.

Viele weitere Details aus dieser Zeit belegte der Referent auch mit Abbildungen, so dass den Gäs­ten der Hergang des Geschehens anschaulich vor Augen geführt wurde. Die Teilnehmer des Vor­trages wie auch die des zuvor gehaltenen themengleichen Referates im Altenzentrum St. Wendeli­nus erhielten jeweils ein Exemplar des Stadtjahrbuches 2019, in dem Albert Klein den Fall ausführ­lich beschrieben hatte.


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