Stadtrat entscheidet für ganzjährig nutzbares Kombibad

09.07.2020

3-D Animation des Vitelliusbades (Krieger Architekten).

Der Neubau des Hallenbades und die damit einhergehende Sanierung bzw. der Umbau des Freibades sorgte in den letzten Monaten für reichlich Diskussionen in der Bevölkerung. Innenminister Lewentz hatte bereits im Oktober 2019 in einem persönlichen Gespräch mit Bürgermeister Rodenkirch zugesagt, das Projekt mit entsprechenden Fördergeldern aus dem Sportstättenförderprogramm und Bundesmitteln aus der Städtebauförderung finanziell zu unterstützen.

Das Antragsverfahren für diese Fördertöpfe ist an gewisse Fristen gebunden, deren Zeitfenster sich beginnen zu schließen. Der Stadtrat war daher vergangenen Donnerstag gefordert einen verbindlichen Planungsbeschluss zu fassen, damit das Verfahren nicht aus zeitlichen Gründen scheitert.

Zwei Planungsvarianten standen zunächst zur Beschlussfassung. Bevor die Ratsmitglieder in die zum Teil zur lebhafte geführte Diskussion einsteigen konnten, wurden die Grundzüge beider Planungen sowie die technische Umsetzbarkeit und die sich jeweils ergebenden Kosten noch einmal ausführlich von Architekt Sebastian Neuhaus (Krieger Architekten) und Projektsteuerer Heiko Büthe (Büro CONSTRATA) sowie technischer Projektleiter Sven Peter (Büro Famis) vorgestellt.

Variante 1 sieht den Bau eines Kombibades mit einer ganzjährigen Nutzung des Hallen- und Freibadbereichs mit reduziertem Freibadbecken gemäß der im Bau- und Verkehrsausschuss am 19. April 2019 beschlossenen Vorentwurfsplanung vor.

Nach Variante 2 soll der Neubau des Hallenbades als Kombibad unter Beibehaltung des gesamten Freibades gemäß der Forderung der Bürgerinitiative zum Erhalt des Freibades „so wie es ist“ (BI) erfolgen.

Aufgrund der Eingabe der BI hat die Verwaltung ein Materialgutachten über den bautechnischen Zustand der Freibadbecken und eine entsprechende alternative Planung unter Integration der vorhandenen Freibadfläche in Auftrag gegeben. Das Materialgutachten kommt zu dem Ergebnis, dass für die Fliesenauskleidung in den Freibadbecken keine Restnutzungsdauer mehr vorhanden ist und nach guter fachlicher Praxis nur eine umfangreiche Gesamtsanierung empfehlenswert sei. Darüber hinaus würde die flächendeckende Gesamtsanierung des Freibades ca. 3 Mio. EURO höhere Baukosten und rund 450.000 EURO Mehraufwand bei den jährlichen Betriebskosten gegenüber der Variante 1 verursachen.

Dr. Michael Praeder (CDU) ergriff als erster Redner das Wort und stellte fest, dass die Planung der Variante 2, sowie im Beschlussvorschlag vorgesehen, aus finanziellen Gründen nicht umsetzbar sei. Aus diesem Grunde stellte er einen Ergänzungsantrag zur Abänderung der Variante 2, in dem der Fliesenbelag der Freibadbecken bedarfsgerecht, also stückweise nach Anfall, saniert und die vorhandene Technik lediglich an die im Hallenbadbau erforderliche neue Technik angeschlossen werden solle. Mit dieser Vorgehensweise würden die erforderlichen Baukosten erheblich reduziert und der jährliche entstehende Mehraufwand, der durch die Abschreibungen sowie Zins- und Tilgungsleistungen verursacht würde, sinken. Ihm lägen Informationen vor, wonach der Anschluss neuer Technik an alte Technik durchaus machbar sei. Sven Peter (Famis) teilte hierzu mit, dass der von Dr. Praeder vorgeschlagene Technikanschluss grundsätzlich machbar sei, das Ergebnis dann aber nicht mehr den inzwischen geltenden DIN-Normen entsprechen würde. Zudem könnte man keine Garantie darauf geben, wie lange das vorhandene Leitungssystem den höheren Drücken der Neuinstallation Stand halten würde. Dies sei nicht nachhaltig und aus fachlicher Sicht sei von einer solchen Vorgehensweise dringend abzuraten.

Joachim Gerke (SPD) verglich diese Vorgehensweise mit der Instandsetzung eines alten VW Golf II. Wenn man in einen betagten Golf II, der ursprünglich mit einem 70 PS ausgestattet war, einen 130 PS Motor neuester Bauart einbauen würde, wäre dies technisch - wenn überhaupt - mit einem sehr hohen Aufwand verbunden. Zudem wäre es mit dem alleinigen Einbau des leistungsstärkeren Motors alleine nicht getan, den in der Folge müssten noch Fahrwerk, Bremsen und andere die Verkehrssicherheit sicherstellende Systeme angepasst werden. Dies alles würde einen erheblichen Mehraufwand verursachen und als Resultat hätte man immer noch ein „altes“ Auto. Gerke stellte gleichzeitig einen ergänzenden Antrag, die Verwaltung nach erfolgter Abstimmung mit der unverzüglichen Umsetzung der Planung zu beauftragen.

Stephan Lequen (Grüne) sprach sich ebenso für die Variante 1 aus. Hierbei seien für ihn die finanziellen Aspekte maßgebend, da bereits eine mündliche Zusage des Ministers vorliegen würde, auf die man sich verlassen könne und der Erhalt des Freibades in der jetzigen Größe im laufenden Betrieb nicht bezahlbar sei.

Der Fraktionsvorsitzende der FWG, Harald Fau, merkte an, dass es keine Lösung gäbe, die alle zufrieden stellen würde. „Selbst wenn man über das Wasser laufen könne, würde es immer jemanden geben der fragt, ob man zu blöd zum Schwimmen sei.“ Die FWG sprach sich geschlossen für Variante 1 aus.

Markus Blasweiler kritisierte für die FDP, dass die Diskussion immer nur um die Beibehaltung der 50-Meter-Bahnen kreisen würde. Die Bedürfnisse für Familien mit Kindern und der Jugendlichen würde bei den Vorschlägen der BI völlig außer Acht gelassen. Variante 1 sei für ihn die vernünftigste.

In der CDU gingen die Meinungen auseinander. Gemeinsam mit Dr. Praeder unterstützten insgesamt fünf Fraktionsmitglieder, einschließlich des Fraktionsvorsitzenden Jan Salfer, den erweiterten Antrag von Dr. Praeder, der wesentlich auch die Belange der BI widerspiegelte, mit Variante 2. Die restlichen Fraktionsmitglieder stimmten für Variante 1. Magdalena Zelder (CDU) betonte nochmals ausdrücklich die Familien- und Kinderfreundlichkeit der angestrebten Ganzjahreslösung nach Variante 1.

Bürgermeister Rodenkirch wies zum Ende der Diskussion noch einmal darauf hin, dass der vorliegende Planungsprozess inzwischen mehr als fünf Jahre andauern würde und diese Zeit nicht leichtfertig vertan wurde, sondern sehr viele Überlegungen, Erfahrungen und Ideen in die Planung eingeflossen seien. Rodenkirch betonte, dass eine Förderung, Genehmigung und Realisierung des Schwimmbadprojekts nur unter klaren Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten möglich wäre. Er bat insbesondere darum, die Diskussion über das Projekt auf einer sachlichen Ebene weiterzuführen, obwohl er durchaus Verständnis für die Emotionen hätte, die dieses Thema zwangsläufig mit sich bringen würde. Wichtig sei für ihn zu schauen, was tatsächlich umzusetzen sei. „Politik ist die Kunst des Machbaren, nicht die Kunst des Wünschbaren“, stellte er abschließend fest.

Die Abstimmung der Ergänzungsanträge erfolgte wie nachstehend:

Antrag Dr. Praeder: mehrheitlich abgelehnt

Antrag J. Gerke: mehrheitlich angenommen

Für Variante 1 stimmten 23 Ratsmitglieder mit Ja, 7 mit Nein und 2 Ratsmitglieder enthielten sich. Damit wird die Planungsvariante 1 weiterverfolgt.


Nach oben