Träume und Alpträume. Zum 100. Todestag von Max Klinger (1857-1920)

18.02.2021

Max Klinger: Der pinkelnde Tod, Öl auf Leinwand, 1880 (Original)

Max Klinger: Sirene (Triton und Nereide), Öl auf Leinwand, 1895 (Original)

Die Gemälde des genialen Künstlers
Eine leider immer noch geschlossene Ausstellung in der Städtischen Galerie im Alten Rathaus in Wittlich

Die wunderschöne Präsentation der Arbeiten des berühmten deutschen Künstlers Max Klinger ist zwar virtuell unter www.kulturamt.wittlich.de zu „begehen“, aber ansonsten aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie noch nicht wieder zu besuchen. Gerne zeigt das Kulturamt in der „Wittlicher Rundschau“ einige besonders schöne Exponate der Ausstellung.

Die Graphik und die Bildhauerei spielen mit Sicherheit die Hauptrolle in Klingers umfangreichen Werk; Gemälde existieren nur in geringer Anzahl, verblüffen aber teilweise ob ihrer Inhalte. Reproduktionen zweier Gemälde sind in der Wittlicher Ausstellung zu sehen.

Das eine, ein nicht besonders großes Gemälde, heißt „Der pinkelnde Tod“ und wurde in einer Vorzeichnung mit dem Namen „Der Tod am See“ vorbereitet. Gemalt hat Klinger das Bild um 1880, und es befindet sich heute im Museum der bildenden Künste in Leipzig. Zu sehen ist das Ufer eines Sees, an dem ein urinierendes, offensichtlich männliches, Skelett steht. Hinter ihm ist eine Sense abgebildet, und auch die Form des sandigen Ufers erinnert an eine Sense, ein Attribut des Todes. Der Betrachter oder die Betrachterin fühlt sich an die Totentanzdarstellungen des späten Mittelalters erinnert und empfindet die Darstellung des pinkelnden Todes als frech, provokativ und humorvoll. Vermutlich war es aber eine schmerzhalte Syphiliserkrankung, die Max Klinger zu dieser Darstellung inspirierte …

„Sirene (Triton und Nereide)“ ist der Titel des zweiten Gemäldes. Es wurde um 1900 nach dem Original, welches sich heute in der Villa Romana in Florenz befindet, gemalt. Dieses Bild schuf Max Klinger 1895, und es beinhaltet sein geliebtes Thema „Liebe und Erotik“, vielleicht sogar ein bisschen seine zweite Faszination, den Tod. Eine wunderschöne Nereide, Nymphen des Meeres in der griechischen Mythologie, von denen 50 oder 100 verschiedene existiert haben sollen, liegt in der Brandung. Über ihr der Meeresgott Triton, dem attraktiven Wesen verlangend und begeistert zugewandt, die ihn umarmt und zu sich hinunter zu ziehen scheint. Eine Darstellung eines erotischen Liebesaktes, aber vielleicht auch männliche Ängste vor weiblicher Macht und Ausstrahlung andeutend? Eine weitere Interpretation von Eros und Thanatos, der Liebe und dem Tod? Auf jeden Fall ein sehr, sehr schönes Gemälde des großen Künstlers Max Klinger.


Nach oben