Infoveranstaltung zum "Vitelliusbad" gut besucht

04.10.2019

Bürgermeister Rodenkirch erläutert den Bürgerinnen und Bürgern den aktuellen Planungsstand.

Viele Bürger folgten der Einladung zur Infoveranstaltung am 25. September (Foto: Sebastian Klein).

Rund 500 interessierte Bürgerinnen und Bürger aus der Stadt Wittlich und dem unmittelbaren Umland konnte Bürgermeister Joachim Rodenkirch am 25. September zu einer weiteren Informationsveranstaltung zum Thema „Projektentwicklung Vitelliusbad“ im EVENTUM begrüßen. Die hohe Teilnehmerzahl kam nicht überraschend, hatte eine Bürgerinitiative „Unser Freibad soll bleiben wie es ist!“ (BI) in den vergangenen Wochen zuvor fleißig Unterschriften gegen den Abriss des Hallen- und Freibades und den Bau eines „Kombibades“ gesammelt. Die Initiative will den Neubau eines Hallenbades bei Beibehaltung des Freibades in seinem jetzigen Zustand erreichen. Die in den bisher stattgefundenen Informationsveranstaltungen und Gesprächen gemeinsam mit den schwimmbadnutzenden Vereinen, den Schulen und der Polizei erarbeiteten und vorgestellten Plänen werden von der Bürgerinitiative als „unausgegoren“ bezeichnet, die Wünsche und Bedürfnisse der Bürger hätte man „missachtet“.

Aus diesem Grunde hatte Bürgermeister Rodenkirch nochmals zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, um mit den Bürgern sowie den Stadtratsmitgliedern und den beauftragten Planern über den geplanten Abriss und Neubau des Hallenbades und die notwendige Sanierung des Freibades zu diskutieren. Da das Thema in den letzten Wochen im Stadtgebiet und darüber hinaus sehr emotional und kontrovers behandelt wurde, lag der Schwerpunkt zunächst darin, den Zuhörerinnen und Zuhörern anhand von Zahlen, Daten und Fakten einen möglichst objektiven Überblick über die rechtlichen und technischen Vorgaben und Zwänge, die das Projekt mit sich bringt, zu verschaffen. Bürgermeister Rodenkirch ging eingangs noch einmal auf die Gründe ein, die bereits 2010 zu ersten Planungsüberlegungen geführt haben, bevor Architekt Sebastian Neuhaus vom Büro Krieger die Planung des Kombibades mit aussagekräftigen Visualisierungen vorstellte. Einen wesentlichen Grund bei den Überlegungen spielte dabei die Technik, die für das jetzige Frei- und Hallenbad eine Einheit bildet und im Keller des Hallenbades untergebracht ist. Neben der Tatsache, dass die Technik hoffnungslos veraltet ist, fällt diese notgedrungener Maßen dem Abriss des Hallenbades zum Opfer und steht nicht mehr für den Betrieb des Freibades zur Verfügung. Neuhaus machte ferner deutlich, dass das jetzige Freibad lediglich an vier Monaten im Jahr witterungsabhängig mit einer Wasserfläche von 2020 Quadratmetern zur Verfügung steht und das aktuelle Hallenbad an acht Monaten mit einer Wasserfläche von insgesamt 312 Quadratmetern geöffnet ist. Künftig stünden im Hallenbad ein 25-Meter-Sportbecken, ein Kursbecken mit Hubboden und ein Kleinkindbereich mit insgesamt 463 Quadratmeter Wasserfläche zur Nutzung bereit, also ein Plus von 33 Prozent. Im Freibadbetrieb würde sich die Wasserfläche um 31 Prozent verringern.  

Dietmar Altenburg vom Beratungsbüro Altenburg machte noch einmal deutlich, dass in einem Kombibad das Hallenbad ganzjährig betrieben und im Sommer zusätzliche Freibadkapazitäten zugeschaltet werden könnten. Das jetzige Freibad sei für 4.000 bis 6.000 Besucher täglich ausgelegt und für die heutige Zeit nach fast 30 Jahren Betriebszeit deutlich überdimensioniert. Die höchste Tagesbesucherzahl lag im Jahr 2019 bei 2.671 Besuchern am 25. Juli. Die Gesamtbesucherzahl ist stark rückläufig und läge damit im bundesweiten Trend. Den Vorwurf der BI, dass Planungsalternativen nicht geprüft worden seien, wies Altenburg zurück. Alternativlösungen seien vorab diskutiert worden und die erfolgversprechenste sei vorgestellt worden. Das Kombibad sei zurzeit in Deutschland das gängigste und wirtschaftlichste Konzept. Zudem bliebe der Stadt Wittlich das 50-Meter-Becken erhalten.  Schwimm- und Vereinssport sei aber auch in 25-Meter-Becken sehr gut möglich. Seine Anmerkung, dass dort allerdings öfter gewendet werden müsse, sorgte für allgemeine Heiterkeit. Altenburg wies auch darauf hin, dass zuvor eine Bedarfsanalyse für das Wittlicher Frei- und Hallenbad gemacht wurde, die als Ergebnis einen Mehrbedarf für Schul- und Vereinsschwimmen ausweist. Diesen Mehrbedarf würde die vorliegende Planung decken.

Auch wenn die vorgestellten Daten und Fakten eine eindeutige Sprache sprechen, gab es kritische Stimmen aus dem Auditorium, die die Grundlagenermittlung, die zu der vorgestellten Planung geführt hat, anzweifelten und sich mit Nachdruck für die Beibehaltung des Freibades in der jetzigen Form und Zustand einsetzen. Eine Besucherin, die täglich im Vitelliusbad schwimmen geht, berichtete, dass das Bad meistens leer sei und Eltern ihre Kinder lieber nach Bitburg oder Cochem fahren würden. Die Anzahl der Nichtschwimmer sei gestiegen und zudem würde das Beheizen der großen Becken enorme Energiekosten verursachen. Klimaschutz bedeute auch Reduzierung und Verzicht anzunehmen. Den Vorschlag, die mit dem Neubau einhergehenden Schließungszeiten des Bades durch die Einrichtung eines Shuttleservices zu den umliegenden Schwimmbädern zu kompensieren, nahm Bürgermeister Rodenkirch gerne auf und sagte zu dies ebenfalls zu prüfen, wenn es so weit sei.

Abschließend kamen die Vertreter der im Stadtrat vertretenen Parteien zu Wort und machten noch einmal die Position, die ihre Partei vertritt deutlich. Für Überraschung sorgte der Fraktionsvorsitzende der CDU, der eine Alternativplanung für sinnvoll erachtete, sofern entsprechende Fördergelder generiert werden könnten, obwohl sich die Fraktionen zuvor geschlossen für das vorgestellte Konzept entschieden und entsprechende Beschlüsse gefasst hatten.

Bevor Bürgermeister Rodenkirch den Anwesenden um 20.30 Uhr eine gute und unfallfreie Heimreise wünschte, teilte er abschließend mit, dass in der Sache noch ein Termin beim Minister des Innern, Herrn Roger Lewentz, anstünde und betonte, dass die Gremien und er mit den interessierten Bürgerinnen und Bürgern im Dialog bleiben werden.


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