Fahrplan
Ausstellungsideen und Martinszug
Aus der Sitzung des Kulturausschusses
Im Anschluss an den Martinszug soll es ab diesem Jahr keine Brezelausgabe mehr geben. Vorstellungen zur Umgestaltung des Ablaufes des traditionellen Martinszuges wurden vom Kulturausschuss zustimmend zur Kenntnis genommen. In der Sitzung am 31. Januar 2012 im Stadthaus ging es auch um geänderte Öffnungszeiten für die Galerie im Alten Rathaus und um Überlegungen für eine Ausstellungskonzeption für die nächsten Jahre.
Auch wenn zurzeit erst der Entwurf des Kulturkonzeptes öffentlich diskutiert wird und eine Behandlung in den städtischen Gremien noch aussteht, muss über Ausstellungen im Alten Rathaus in den kommenden Jahren nachgedacht werden. Weil rechtzeitige Planungen unerlässlich sind, hat Kulturamtsleiterin Elke Scheid sich professionellen Rat eingeholt. Der in Scharfbillig lebende Kunsthistoriker Dr. Richard Hüttel stellte in der Sitzung des Kulturausschusses seine interessanten Überlegungen vor. Nach seiner Meinung sollen bei einer Ausstellungskonzeption die lokalen und überlokalen Themen gut gemischt werden. Die Städte sollen möglichst ihre besonderen, individuellen Geschichten erzählen.
Dr. Hüttel kann sich bis 2015 drei Ausstellungsprojekte mit historischem Bezug zu Wittlich und dem Umland vorstellen. Anknüpfend an Meistermanns „Apokalyptische Reiter“ im Treppenaufgang des Alten Rathauses schlägt er vor, eine Ausstellung über die Pest durchzuführen. Unter dem Titel „Der schwarze Tod“ könnten St. Rochus, der Wittlicher Schutzpatron und gleichzeitig Pestheilige, und St. Sebastian, der Schutzheilige der St. Sebastianus-Bruderschaft, die zentralen Figuren sein. Über die Darstellung von Einzelschicksalen solle das Leiden der Bevölkerung im damaligen Europa, aber auch in Wittlich, anschaulich gemacht werden. Problem dürfte die Beschaffung von Objekten aus dieser Zeit sein. Die zweite Ausstellung mit direktem Wittlicher Bezug könnte sich mit dem „verschwundenen Schloss“ befassen. Gemeint ist Schloss Philippsfreunde, welches nur knapp 50 Jahre die Stadt überragte. Erbaut Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Rokokobau des französischen Architekten Jean Antoine in Folge der französischen Revolution und Napoleons Einmarsch in Deutschland bereits 1806 zum Abbruch versteigert. Dr. Hüttel: „Die Spurensuche nach Resten des Schlosses wird mühsam sein, aber nicht aussichtslos“. Beim dritten möglichen Ausstellungsprojekt geht es um ein „verschwundenes Kloster“. Gemeint ist Kloster Himmerod, das ähnlich wie Schloss Philippsfreude zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Rahmen der Aufhebung der Klöster zum Abbruch verkauft wurde. Nach Dr. Hüttel wurden Teile des Kircheninventars in andere Kirchen, Klöster und Gebäude verteilt. Der Kulturausschuss nahm die Anregungen zur Kenntnis.
Keine Mittagspause mehr im Alten Rathaus
Als nicht mehr zeitgemäß bezeichnete Elke Scheid die Schließung der Galerie im Alten Rathaus während der Mittagszeit. Vorgeschlagen wurden neue Öffnungszeiten: dienstags bis samstags von 11 bis 17 Uhr. Es soll bei der Schließung an den Montagen bleiben, auch die Öffnung an Sonn- und Feiertagen bliebe unverändert von 14 bis 17 Uhr. Eine Umsetzung ab 1. Mai wurde vorgeschlagen. Wegen des hierdurch entstehenden zusätzlichen Personalaufwandes von rund 200 Euro monatlich soll zunächst nach Refinanzierungsmöglichkeiten für den erhöhten Personalansatz gesucht werden.
Ein Wittlicher Bürger hat sich schriftlich an den Kulturausschuss gewandt und Änderungen beim jährlich stattfindenden Martinszug durch die Altstadt zum Martinsfeuer auf dem Parkplatz Oberstadt vorgeschlagen. Schon seit einigen Jahren gibt es Probleme mit dem Martinsumzug. Elke Scheid schilderte das undisziplinierte Verhalten vieler Zugteilnehmer, insbesondere bei der Brezelausgabe nach Beendigung des Zuges. Nach ihrer Meinung geht es vielen Teilnehmer am Martinsumzug nur noch um die Brezeln, die dann teilweise aggressiv eingefordert werden. Die für die teilnehmenden Kinder gedachten Brezeln würden auch von Erwachsenen gefordert, wobei auch die Anzahl von einer Brezel je Person häufig in Frage gestellt würde. Tanja Winter vom städtischen Kulturamt schlug vor, ab diesem Jahr die Brezelausgabe nach dem Martinsumzug einzustellen. Vielmehr sollen am Tag nach dem Umzug in den Grundschulen und Kindertagstätten in der Stadt große Brezel angeliefert und von den Kindern zerteilt werden. Hiermit werde die Symbolik des Teilens, die St. Martin zugrunde liegt, aufgegriffen.
Der Kulturausschuss erkannte die Notwendigkeit von Veränderungen an und war mit den vorgestellten konzeptionellen Änderungen einverstanden. Ziel einer neuen Konzeption muss sein, den traditionellen Martinszug zu erhalten und wieder zu dem zu machen, was er bis vor ein paar Jahren immer war: etwas Besonderes für die Kinder und Jugendlichen. Über den Start auf dem Marktplatz, die Zugstrecke, die Teilnahme von Musikgruppen und den St. Martin hoch zu Ross soll noch nachgedacht werden. /uj
Wo heute das Einkaufszentrum „Schlossgalerie“ steht, stand 50 Jahre lang das Schloss Philippsfreude. Das von Erzbischof Johann Philipp von Walderdorff in Auftrag gegebene Schloss wurde 1806 abgebrochen (Foto: Thomas Steinmetz).
St. Martin hoch zu Ross auf dem Marktplatz in Wittlich (Archivfoto: Werner Pelm).







