Treffpunkt Biathlon auf dem Wittlicher Marktplatz

09.11.2017

Johannes Scherer (links) und Johannes Flesch liefern sich ein Polizistenduell (Foto: Ralph Muijsers).

Gewinner in Wittlich: Jörg Groß (rechts) und John Isac (Foto: Ralph Muijsers)

Die Rückkehr mit der Biathlon-Tour auf dem Wittlicher Marktplatz wurde am vergangenen Sonntag für den Veranstalter zu einer der schönsten Überraschungen der diesjährigen Tour. Gemessen an der Einwohnerzahl bietet die Stadt an der Lieser eine bemerkenswerte Dichte an Fachgeschäften und hochwertiger Gastronomie in ihrer schönen Altstadt. Dass aber zu diesem verkaufsoffenen Sonntag derart viele Menschen in die Gässchen strömten und zugleich den Marktplatz und die Biathlonarena zum Zentrum ihres Aufenthaltes erwählten damit hatte keiner gerechnet, nachdem im Vorfeld die Staffel-Stadtmeisterschaft wegen zu wenig angemeldeten Teams abgesagt werden musste.

So ging es zwischen 13 und 18 Uhr stets in Duellform in die Sprintbiathlon-Wettkämpfe auf der Suche nach Wittlichs bestem Biathleten und Nachfolger des Vorjahressiegers Jürgen Wolf. Den gesamten Nachmittag über sorgten zahlreiche Schaulustige für eine prima Stimmung an der Biathlonarena.

Viele Besucher wollten einfach nur mal ein „Schnupperschießen“ machen und ihre Treffsicherheit bei 5 Schüssen auf die 45 mm-Klappscheiben testen, den Wettkampf dann aber lieber anderen überließen. Dabei waren zahlreiche Kinder, die mit Hilfe der Eltern am aufliegenden Gewehr ihre wohl ersten Zielübungen unternahmen, aber eben auch mancher junggebliebene Rentner mit teilweise sehr beachtlichen Schießergebnissen. Das Team des Stadtmarketing e.V. mit seinem Geschäftsführer, Karsten Mathar, hatte eingeladen und umsorgte bis in den frühen Abend hinein die Marktplatzbesucher mit Glühwein. Rechts der Biathlonarena sorgten Akyüz Feinkost, ein Imbiss und eine Creperie für das leibliche Wohl der Shoppingfans.

Pünktlich zum Start in den Wettkampf um 13 Uhr kam sogar die Sonne heraus. Der Rahmen stimmte und es ging los in den Wettkampf, den die beiden Remscheider Polizisten, Uwe und Ralf eröffneten, die mit ihren Frauen Urlaub an der Mosel machen. Sie trafen mit den 5 Schüssen allerdings nur einmal.

Besser machte es Jakob Schaubert. Im vergangenen Jahr gewann Jakob das Duell mit seinem Bruder, Walter. Die beiden Sibirer, die schon seit 24 Jahren in Wittlich zu Hause sind traten zur Revanche an. Und wieder war es Jakob, der mit 3:2 Treffern und der schnellen Zeit von 2:17 Minuten die Nase vorne hatte.  Damit setzte sich der LKW-Fahrer zunächst an die Etappenspitze und es stellte sich rasch heraus, dass 3 Treffer auf die 45 mm-Ziele für einen vorderen Platz reichen könnten. In Wittlich wurde erst zum vierten Mal in dieser Toursaison die Laserschießanlage eingesetzt, deren Klappscheibenziele mit 45 mm Durchmesser etwas kleiner sind, als die zumeist eingesetzten Infrarotziele (50 mm). Die Aufgabe für die Wettkämpfer war also etwas anspruchsvoller im Vergleich zu den meisten anderen Etappen der Tour 2017.

Doch die nächste Verbesserung auf 4 Treffer mit den 5 Schüssen ließ nicht lange auf sich warten und blieb in sibirischer Hand. Jakobs Sohn, Dimitri, erinnerte sich an seine Qualitäten als Kind mit dem Luftgewehr und auf Langlaufskiern. Der 36-jährige Metallbauer, der seine sportliche Form im Fitnessstudio erhält, zeigte Präzision und Konzentration. Nach 2:51 Minuten beendete er seinen Wettkampf aus 400 Meter Skilanglaufsimulation auf dem Thoraxtrainer und 5 Schüssen Stehendschießen mit 4 Treffern und setzte damit für lange Zeit an diesem Etappentag das Maß für die folgenden Wettkämpfer. Julian Hohns war der erste, aber nicht der letzte Wittlicher Polizeibeamte, der seine Qualitäten an der Biathlonarena zeigte. Nach einem fehlerlosen Probeschießen mit 5 Treffern ging Julian Hohns in das Biathlonduell mit dem ebenfalls treffsicheren American Footballer und freiwilligen Feuerwehrmann, Pascal Hennchen. In diesem sportlichen Duell steckte der Polizist bei 3:3 Treffern eine knappe Niederlage ein, weil er in 2:33 Minuten etwas länger brauchte, als Pascal (2:25 Minuten). In der Schlusswertung waren das die Plätze 5 und 6.

Die Wittlicher Polizeiehre versuchten dann etwas später Johannes Scherer und Johannes Flesch zu retten. Aus sportlicher Sicht gelang das den Beiden auch bestens.  Mit 2:06 Minuten und 2:11 Minuten waren sie die schnellsten Wettkämpfer der Wittlicher Etappe. Wenn nur das Schießen nicht wäre, denn nach der Belastung auf dem Skilanglaufergometer schossen beide vielleicht etwas zu rasch und damit zu einem Zeitpunkt, zu dem sie noch stark außer Atem waren. Nach jeweils 2 Fehlschüssen kamen sie besser in den Rhythmus, doch zu mehr als jeweils 2 Treffern reichte es nicht mehr. Es sollte jedoch nicht das letzte Wort eines Polizisten gewesen sein.

Carsten Molitor aus der Läufergruppe Obelix bereitet sich auf seinen ersten Ironmen  vor, den er 2018 in Hamburg in Angriff nehmen möchte. Ein besseres Trainingsgerät, um gleich alle 3 Disziplinen des Triathlons zu fördern, als den Thoraxtrainer, wird er kaum finden. Carsten Molitor kam mit dem Thoraxtrainer gut zurecht und erreichte die schnelle Duellzeit von 2:17 Minuten und zeigte mit 3 Treffern auch Treffsicherheit. Carsten Molitor erreichte zusammen mit Jakob Schaubert Platz 3 dieser Etappe.

Müsste man nach den bisher gesehenen Wettkämpfern eine besonders erfolgversprechende Kombination aus Hobby und Beruf finden, um den idealen Etappensieger hervorzubringen, es wäre wohl genau jene: Polizist und Ironmen. Jörg Groß ist ein solcher. Der 47-Jährige aus Föhren wollte eigentlich mit seinen Kollegen bei der Biathlonstaffel-Stadtmeisterschaft mitmachen, die wegen nur dreier Teammeldungen ausfallen musste. Der nahezu täglich trainierende Ironmen ging dann in ein Einzelduell um den Etappensieg. Gegner des Polizisten war der Kampfsportler John Isac und beide lieferten sich ein höchst sportliches Rennen auf dem Thoraxtrainer, das Jörg mit 40 m Vorsprung abschloss und als erster ans Biathlongewehr wechselte. Möglicherweise hatte er aus dem etwas schnellen Schießen seiner Kollegen gleich die richtigen Schlüsse gezogen, jedenfalls nahm er sich mehr Zeit vor dem ersten Schuss und nutzte sie mit einigen tiefen Atemzügen, um möglichst rasch Kontrolle über die Atmung zu erlangen. Das zahlte sich aus, denn er traf mit seinen ersten drei Schüssen fehlerlos. Der Blick auf die Uhr zeigte, dass ihm wohl 4 Treffer zur Etappenführung reichen dürften. Doch der vierte Schuss brachte ihm die Führung nicht. Er musste den letzten Schuss verwandeln, um Dimitri Philipp an der Spitze abzulösen. Jörg Groß ließ sich vor dem 5. Schuss noch einmal einige Sekunden Zeit. Und am Ende hatte seine Taktik Erfolg. In 2:32 Minuten mit 4 Treffern holte sich Jörg Groß nicht nur die Etappenführung, sondern konnte diese auch bis zum Etappenende verteidigen und ist nun Wittlichs Mann beim Finale auf Schalke am 28. Dezember in der VELTINS-Arena gegen die 40 Etappensieger der anderen Tourstädte. Am gleichen Tag wird er zusammen mit Freundin Diane Ehrengast der VELTINS-Arena sein und den Biathlon auf Schalke mit Premiumkarten verfolgen.

Ein Staffelduell zum schönen Schluss

Die beiden Staffeln der Läufergruppe Obelix ließen sich trotz abgesagter Biathlonstaffel-Stadtmeisterschaft den Spaß nicht nehmen und traten zu einem Juxstaffel-Duell an. Ihnen gehörte die letzte halbe Stunde des Etappentages und vielleicht fördert es den Mut auch anderer Sportvereine, Unternehmen, Stammtische oder einfach sportlicher Familien oder Freundesgruppen mit einem vierköpfigen Team im nächsten Jahr dabeizusein, wenn die Biathlon-Tour am 4.11.2018 wieder auf den Wittlicher Marktplatz zurückkehren wird?

Im Duell der beiden Marathon-Teams gewann Obelix 1 in 16:54 Minuten mit Lisa Schwarz, Birgit Wagner, Bernd Esch, Carsten Molitor knapp vor Obelix 2 in 17:15 min mit mit Moni Esch, Elke Berhard, Christian Dietz, Andreas Amend.


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