Gedenktafel ergänzt Stolpersteine vor Wittlicher JVA

08.02.2018

Weihen die Gedenktafel vor der Außenpforte der JVA Wittlich ein (von links): JVA-Leiter Jörn Patzak, Architektin Brigitte Coen vom Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung Trier, Bürgerbeauftragter und Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Rheinland-Pfalz, Dieter Burgard, die städtische Beigeordnete Elfriede Marmann, Thomas Miller von der Georg-Meistermann-Gesellschaft und Tanja Lersch von der Arbeits- und Bauverwaltung der JVA. (Foto: Stefan Endres)

Eine Informations- und Gedenktafel an der Außenpforte der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wittlich in der Trierer Landstraße 64 ergänzt seit dem 26. Januar offiziell die Stolpersteine, die der Künstler Gunter Demnig bereits im Februar 2014 in unmittelbarer Nähe im Gedenken an die beiden NS-Opfer Jean Daligault und Karl-Heinz Scheurer verlegt hatte. In einer kleinen Feierstunde vor Ort gedachten am Vortag des Internationalen Holocaust-Gedenktages der Leiter der JVA, Jörn Patzak, und Vertreter der Georg-Meistermann-Gesellschaft sowie weitere Initiatoren, darunter der rheinland-pfälzische Bürgerbeauftragte Dieter Burgard, noch einmal der beiden Opfer des Nationalsozialismus und dessen Justiz. Der französische Priester, Künstler und Resistance-Widerständler Daligault (1899-1945) war unter anderem im Jahr 1943 zwei Mal in der Strafanstalt Wittlich inhaftiert, Karl-Heinz Scheurer (1916-1940) saß von 1938 bis 1940 in Wittlich in Haft. Beide wurden in Konzentrationslagern ermordet. Der Historiker Dr. Thomas Schnitzler von der Georg-Meistermann-Gesellschaft (GMG) recherchierte die Biographien von Daligault und Scheurer und deren Verfolgungsgeschichte, über die die Gedenktafel nun in Kurzform die Besucher und Mitarbeiter der JVA informiert. Thomas Miller von der GMG bezeichnete die beiden Stolpersteine, bislang die einzigen in Wittlich, in seinem Grußwort als „kleine Monumente“, die in würdiger Weise an das persönliche Schicksal der Verfolgten erinnerten. „Denn Erinnerung ist dann wirkungsvoll, wenn sie vor Ort geschehen kann und mit konkreten Schicksalen unmittelbar verbunden ist. Nur so verliert das Unfassbare der Naziverbrechen seine Unfassbarkeit.“

Die „Stolpersteine“ von Gunter Demnig, das europaweit größte dezentrale Kunst- und Gedenkprojekt, erinnert an die Verfolgten verschiedener Opfergruppen der NS-Zeit. Mittlerweile hat der Kölner Künstler in etwa 1.100 Gemeinden in Deutschland und in 20 Ländern Europas die kleinen, mit Messing überzogenen und mit Inschriften zu den Einzelschicksalen versehenen „Stolpersteine“ und „Stolperschwellen“ ebenerdig in Bürgersteige vor den letzten Wohnstätten der Opfer verlegt.


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